Eindrücke von Peking – Skorpione als Vorspeise

Peking ist auf Effizienz getrimmt und hat im Vergleich zu anderen Städten offensichtlich nicht den Anspruch zu gefallen. Lässt man sich aber auf den besondereren Charme ein, dann kann die chinesische Hauptstadt sogar richtig sympathisch sein. Hier meine ersten Eindrücke von Peking.

Die ersten Eindrücke von Peking

Wenn Ihr Peking richtig kennen lernen wollt, dann solltet Ihr mehr als die bei Pauschalreisen üblichen 2-3 Tage einplanen. Alleine die wichtigsten Sehenswürdigkeiten nehmen einen durch ihren Umfang schon so in Beschlag, dass für die Stadt selbst keine Zeit mehr bleibt.

“Der Norden Chinas galt schon immer als archaisch und barbarisch.”

Rau und staubig

Um besser zu verstehen, warum Peking so ist wie es ist, sollte man sich vorab mit der Geschichte des Landes auseinanderzusetzen. Einen guten Überblick verschafft Die kleine Geschichte Chinas von Kai Vogelsang. Der Norden Chinas galt schon immer als archaisch und “barbarisch”, was unter anderem mit den Eroberungsfeldzügen mongolischer Nomadenvölker zu tun hat.

Die sehr “funktionale” Architektur lässt kaum die heimelige Atmosphäre von anderen Kulturmetropolen aufkommen. Ich habe einige Tage gebraucht, um mich auf Peking einlassen zu können. Schön geht anders, aber die Schönheit liegt mehr in den geschichtsträchtigen Monumenten wie der Verbotenen Stadt und den Entdeckungen abseits der Attraktionen.

Reisetipps Peking: Blick auf Hutong in Peking

Zentrum von Peking

Peking ist umgeben von trockener Steppenlandschaft. Entsprechend herrscht die meiste Zeit ein eher “diesiges” Ambiente. Abends im Hotel meint man dann, den (gelben) Staub kiloweise mitgeschleppt zu haben. Tage, an denen sich Staub, Smog und die graue Architektur vermischen, sind ein Härtetest für die Liebe zur chinesischen Hauptstadt.

Nicht anquatschen lassen

Als Tourist wird man regelmäßig von Leuten angequatscht, die einen in Ausstellungen lotsen oder touristische Leistungen verkaufen wollen. Irgendwann wurde ich in Ruhe gelassen, was wahrscheinlich mit der größeren Zielstrebigkeit durch bessere Ortskenntnis und einer deutlicheren “Fuck-off-Attitüde” zu tun hatte. Insgesamt hält sich das Ganze aber in Grenzen und ist lange nicht so nervtötend wie in manchen südeuropäischen oder afrikanischen Ländern.

Tian'anmen-Platz in Peking

Touristenattraktion Tian’anmen-Platz

Ein bekanntes Muster ist das Ansprechen von Touristen durch jüngere, Englisch sprechende Chinesinnen, die einen zum Tee oder Kaffee überreden wollen – siehe unter anderem Beiträge bei Weltreise-Info. Das Ergebnis ist wohl eine saftige Rechnung im “kooperierenden” Restaurant. Zum Glück bin ich mit einer gesunden Skepsis ausgestattet und Realist genug, was mein Äußeres angeht, um zu wissen, dass es dabei nicht um Sympathie, sondern um Abzocke geht.

Früh beginnt der Abend

Ich habe mich am Anfang gewundert, warum um 18:00 Uhr die Restaurants schon voll sind. In Peking startet der Abend früh und falls Ihr dann noch in einen der angesagten Läden gehen wollt, solltet Ihr Euch spätestens um 17:00 Uhr anstellen, um gegen 19:00 Uhr endlich essen zu können.

“Das Gebräu ist kochend heiß und durch den Berg von Chilischoten höllisch scharf.”

In einigen Restaurants bekommt Ihr eine Nummer zugewiesen und wartet, bis Ihr aufgerufen werdet. Viele nutzen dafür den Alleskönner WeChat, der einen automatisch über den Stand der Dinge informiert, um nicht die ganze Zeit in der Schlange warten zu müssen.

Reisetipps Peking: Skorpione als Snack auf dem Food Market

Skorpione auf dem Wangfujing Night Market

Neben der klassischen Ente – zum Beispiel im Szenelokal Siji Minfudominiert in Peking die mongolische Küche. Ihr müsst unbedingt einen traditionellen Feuertopf probieren. Aber Vorsicht, das Gebräu ist kochend heiß und durch den Berg von Chilischoten höllisch scharf. Einer meiner Favoriten dafür ist das etwas entspanntere Little Yunnan im nördlichen Teil des Dongcheng Districts.

Ihr braucht in China keine Angst zu haben, hungrig aus einem Restaurant zu gehen. Die Portionen sind riesig und es gilt im Übrigen nicht als unhöflich, etwas übrig zu lassen. Falls man es doch einmal schafft, ist das ein Zeichen für eine zu kleine Portion und kommt, zumindest bei privaten Einladungen, einem Gesichtsverlust für den Gastgeber gleich.

Schwierig für Fußgänger

Es ist nahezu unmöglich, in Peking abseits der Zebrastreifen eine Straße zu überqueren. Fast überall gibt es Absperrungen zwischen Fußgängerwegen und Straße. Ich habe eine Weile gebraucht, um zu verstehen, warum: In China schert man sich grundsätzlich nicht um Verkehrsregeln. Gäbe es die Metallzäune nicht, würden die Gehwege komplett von Fahhrädern, Mopeds und wahrscheinlich auch von Autos okkupiert werden.

Eindrücke von Peking - Straßenabsperrungen

Typische Straßenabsperrungen

Hochsicherheitstrakt Peking

Wie schon in meinem Beitrag 10 Erkenntnisse über China beschrieben, gibt es an fast allen öffentlichen Orten Videoüberwachung und Sicherheitskontrollen. In Peking wird das aber noch mal auf die Spitze getrieben. Besonders im Herzen der Stadt, rund um den Tian’anmen-Platz und die Verbotene Stadt kommt man sich vor wie in einem riesigen Hochsicherheitstrakt. Offiziell würde man das nicht zugeben, aber hier spielen mit Sicherheit die Ereignisse von 1989 eine Rolle.

Eindrücke von Peking - Polizeipräsenz

Polizeipräsenz beim Tian’anmen-Platz

Nehmt am besten immer einen Reisepass mit, wenn Ihr unterwegs seid, sonst werdet Ihr bei einigen Sehenswürdigkeiten gar nicht erst reingelassen. Wenn Ihr im Zentrum unterwegs seid, plant zudem Eure Routen und die Zeiten im Voraus. Ansonsten müsst Ihr kilometerlange Umwege in Kauf nehmen oder endlos an Sicherheitsschleusen anstehen.

Flüge und Nahverkehrsnetz

Flüge nach Peking sind überraschend günstig. Wenn Ihr Glück habt, könnt Ihr je nach Airline ein Ticket (hin- und zurück) für unter 500,00 € ergattern. Die meisten Gesellschaften machen mindestens einen Zwischenstopp, meistens in London oder München. Durch Zufall bin ich auf Hainan-Airlines gestoßen, die größte private Airline in China, die ab Berlin sogar Direktverbindungen anbietet. Der Preis lag bei 450,00 € und Service und Komfort waren absolut top.

“Das Nahverkehrsnetz in Peking selbst ist ultramodern und vor allem günstig.”

Die für Europäer fast schon paranoid anmutenden Sicherheitsvorkehrungen am Boden findet Ihr auch in der Luft. Zum Beispiel muss während des gesamten Fluges das Handy ausgeschaltet sein und Bluetooth Geräte, wie Kopfhörer, sind tabu. Tablets wiederum können nach der Startphase benutzt werden. Warum das so ist? Keine Ahnung.

Eindrücke von Peking - Roller im Leopardendesign

“Klassisches” Fortbewegungsmittel

Das Nahverkehrsnetz in Peking selbst ist ultramodern und vor allem günstig. Eine 20-minütige U-Bahnfahrt inklusive Umsteigen kostet umgerechnet 40 ct. Wenn Ihr von Peking aus in andere chinesische Destinationen reist und nur wenig Zeit habt, dann bleibt durch die großen Distanzen nur das Flugzeug als Transportmittel. Auch hier ist das Streckennetz super ausgebaut und die Preise liegen für (nach chinesischen Maßstäben) mittleren Entfernungen bei durchschnittlich 180,00 €.

Hutongs als sozialer Klebstoff

Wer von den Pekinger Hutongs pittoreske Altstadtbezirke mit niedlicher Architektur erwartet, wird leider enttäuscht. Die traditionellen Viertel und Gassen im Zentrum sind voll und ganz für den Alltag optimiert und kommen auf den ersten Blick ziemlich grau daher. Ausnahmen sind die restaurierten Vorzeige-Straßen, die aber wenig mit der Lebensrealität zu tun haben.

“Leider wird ein Großteil der zentralen Altstadtviertel in den nächsten Jahren verschwinden.”

Eindrücke von Peking - typischer Hutong

Hutong in Peking

Trotzdem sind die Hutongs eines der spannendsten Hihghlights in Peking. Man kommt sich vor wie in einem Dorf und das Leben spielt sich zum Großteil vor der Haustür ab. Die Männer sind in Ihre Brettspiele vertieft, die Enkelin schneidet der Großmutter die Haare und die Wäsche wird selbstverständlich draußen gewaschen. In den besonders verwinkelten Ecken weiß man oft nicht, ob man sich noch auf der Straße oder schon in einem der Hinterhöfe befindet.

Besonders nördlich der Verbotenen Stadt, um den Glocken- und Trommelturm herum, findet Ihr die interessanteste Mischung aus traditionellem Leben und Pekinger Hipsterszene. Leider wird ein Großteil der zentralen Altstadtviertel in den nächsten Jahren verschwinden, um mehr Wohnraum für die wachsende Metropole zu schaffen. Einen guten Beitrag zum Thema Hutongs findet Ihr im Blog von China-Tours.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hey Martin, toller Bericht!
    Ich bin deiner Meinung, für mich war die riesen Stadt auch nix. Es gibt zwar viel anzuschauen und zu erleben aber ich bin irgendwie nicht wirklich warm geworden mit der Stadt.

    Wir sind 4 Wochen mit dem Zug durch das Land gereist und die anderen Orte haben mir um einiges besser gefallen.

    Unsere Route findest du hier:
    https://intothe-world.com/backpacking-china/

    Liebe Grüße
    Manuel

    • Hi Manuel,

      danke für Dein Feedback. Dein Blog über Backpacking in China finde ich spannend, ich habe in der Tat nicht viele gesehen, die mit dem Rucksack unterwegs waren.

      Viele Grüße,
      Martin

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