Reisetipps La Gomera – Berge, Wind und Hippies

Eine Woche La Gomera reicht aus, um das Wichtigste zu sehen. Im Vergleich zu Lanzarote steht bei Teneriffas kleiner Schwester noch mehr Bewegung und Natur im Vordergrund. Auch wenn die Anreise etwas umständlich ist, lohnt sich die Mühe, um abseits des kanarischen Rummels auszuspannen. Und ja, es ist kein Mythos, es ist eine Hippie-Insel! Hier meine persönlichen Reisetipps La Gomera.

Reisetipps La Gomera

Kurz und bündig

Urlaubstyp

“Berge, Wind und Hippies” hört sich plakativ an, es beschreibt die Insel aber sehr gut. Viel Kultur, wie etwa auf Lanzarote, werdet Ihr nicht finden. Wenn Ihr aber Naturliebhaber seid, gerne wandert und Strand- und Partyleben eine untergeordnete Rolle spielen, dann seid Ihr auf La Gomera richtig.

Eine Woche La Gomera: Playa Valle Gran Rey

Playa Valle Gran Rey

Wetter

Ich war im Januar dort und die Temperaturen können tagsüber zwischen 25 und neun Grad schwanken. Während an den Stränden Sonnenbaden angesagt ist, muss man zur selben Zeit im Gebirge Fleece und lange Hose tragen. Auf den Wetterbericht solltet Ihr Euch nicht verlassen. Der Wind regelt hier alles nach eigenem Geschmack. Wenn Euch gerade noch graue Regenwolken nerven, kann schon im nächsten Moment die Sonne für den Rest des Tages strahlen.

Anreise

Die Anreise ist leider etwas umständlich, da es keine Direktflüge auf die Insel gibt. Ihr müsst Teneriffa anfliegen und mit der Fähre von Los Christianos (30 Minuten mit Bus plus 15 Minuten Fußweg oder 20 Minuten mit Taxi für 25,00 €) nach San Sebastian fahren. Die Überfahrt dauert 50 Minuten und kostet 68,00 € hin und zurück.

Gepflegtes Inselhopping

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Der Fährverkehr ist sehr unregelmäßig und die beiden großen Lines (Fred.Olsen und Armas) sind blöderweise fast identisch getaktet. Falls Ihr in Valle Gran Rey wohnt, müsst Ihr dann noch eine Stunde quer durch den Nationalpark Garajonay fahren. Besonders bei Dunkelheit ist das wegen der krassen Serpentinen und dem gespenstischen Nebelwald schon ein erstes Abenteuer.

chen #lagomera #canaryislands

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Apropos fahren: Ohne Mietwagen geht auf La Gomera nur wenig. Ich hatte bei Avis ab San Sebastian (La Gomera) gebucht. Wenn Ihr schon auf Teneriffa einen Wagen mieten wollt, erkundigt Euch am besten vorher, ob beim Anbieter “Inselhopping” erlaubt ist. Die Fähre kostet mit Auto dann zusätzlich 34,00 € (hin und zurück).

Unterkunft

Ich hatte mich für Valle Gran Rey im Westen der Insel entschieden (Apartamentos Villa Aurora). Der Ort hat eine gute Infrastruktur und ist ein perfekter Ausgangspunkt für Wanderungen und Besichtigungen. Auf La Gomera gibt es zum Glück keine Bettenburgen, dafür aber auch nur wenige “klassische” Hotels. Die meisten Unterkünfte sind Apartments und Bungalows und vereinzelt kleinere Pensionen.

Eine Woche La Gomera: Blick von La Calera auf den Ortsteil La Playa

Blick von La Calera auf den Ortsteil La Playa

Das beste in einer Woche

Wandern

La Gomera ist ideal für alle, die auf Hiking, Trekking – oder einfach nur Wandern stehen. Die Insel hat eine große Vielfalt an Landschaften zu bieten und vom Schwierigkeitsgrad her ist für jedes Fitness-Level etwas dabei. Bei einer Woche könnt Ihr zum Beispiel drei bis vier Touren machen und an den restlichen Tagen mit dem Auto die Insel erkunden.

Eine Woche La Gomera: Ausblick beim Hiking

Ausblick beim Hiking

Ich bin mittlerweile Fan vom Rother Wanderführer, den ich schon auf Lanzarote im Einsatz hatte. Die Routen sind super beschrieben und mit der GPS-App kann selbst bei schlechtem Orientierungssinn nichts mehr schiefgehen.

Rother Wanderführer bei Amazon:

Kleiner Tipp: Erkundigt Euch bei der Tourenplanung über die aktuellen Windverhältnisse. Bei Orkanböen machen Wanderungen im Gebirge wenig Spass und manche Trails können dann aus Sicherheitsgründen sogar gesperrt sein.

Tour 1 – Eremitage de los Reyes nach La Vizcaína

Die erste Tour ging gleich über vier Stunden auf einem Höhenwanderweg entlang mit grandiosem Ausblick auf das Valle Gran Rey. Die Wege sind leider an vielen Stellen schlecht markiert und ohne Navi beziehungsweise Handy mit GPS ist man schnell “lost”.

Eine Woche La Gomera: Blick auf Valle Gran Rey

Blick auf Valle Gran Rey

Die Tour ist als “schwarz” kategorisiert und in der Tat nichts für Leute mit Höhenangst. Die Abstiege sind besonders gegen Ende hin richtig steil und ich habe mir als Trophäe einige Schürfwunden geholt. Ihr braucht dafür zumindest eine ordentliche Kondition. Mit wenig Fitness macht es keinen Spaß, was wegen des großartigen Panoramas schade wäre.

Details zur Tour findet Ihr hier.

Tour 2 – Von Aurure zum Raso de la Bruma

Die zweite Tour war gemütlicher und dauerte etwas über drei Stunden. Alleine schon die Anfahrt mit dem Auto ist ein riesen Spass. Von Valle Gran Rey geht es auf heftigen Serpentinenstraßen von einem Bergdorf zum nächsten. Aufgrund der extremen Steigung kommt man teilweise nur im ersten Gang voran.

Eine Woche La Gomera: Auf dem Weg zum zum Raso de la Bruma

Auf dem Weg zum zum Raso de la Bruma

Ausgangspunkt ist die Ermita Virgen de la Salud in Arure. Die Tour geht durch das Herz La Gomeras, den Nationalpark Garajonay. Im größten zusammenhängende Lorbeerwald der Welt fühlt man sich wie in einem Märchen der Gebrüder Grimm. In der Nebensaison habt ihr den Wald fast für Euch alleine. Kommt dann noch der charakteristische Nebel und das Pfeifen des Windes dazu, wird’s etwas unheimlich.

Eine Woche La Gomera: Nationalpark Garajonay

Nationalpark Garajonay

Falls Euch der böse Wolf nicht erwischt hat, empfehle ich als Belohnung die Mittagspause im Casa Conchita in Arura – das heisst derbe spanische Hausmannskost für den großen Hunger und fast nur lokales Publikum.

Details zur Tour findet Ihr hier.

Tour 3 – Von Chipude auf den Garajonay

Meine letzte Tour von Chipude auf den höchsten Punkt der Insel (Alto de Garajonay) bot die perfekte Mischung. Hier bekommt Ihr das typische Meerblick-Bergpanorama und den Nationalpark mit seinen heftigen Nebelschwaden auf einen Schlag zu sehen. Die Wege sind gut ausgezeichnet und die Ansprüche an die Kondition im mittleren Bereich.

Eine Woche La Gomera: Auf dem Weg von Chipude auf den Garajonay

Auf dem Weg von Chipude auf den Garajonay

Die abwechslungsreiche Route führt Euch durch kleine, abgelegene Bergdörfer, unter anderem Igualero, dem höchstgelegenen Ort auf La Gomera. Leider sieht man auf der Strecke auch das Ausmaß der verheerenden Brände von 2012, was das Ambiente im Zusammenspiel mit dem Nebel gespenstisch macht. Zurück am Ausgangspunkt auf dem Dorfplatz von Chipude lohnt sich ein Mittags-Snack in der Bar Hotel Sonia.

Details zur Tour findet Ihr hier.

Valle Gran Rey

Valle Gran Rey bezeichnet die aus mehreren weit verstreuten Ortsteilen bestehende Gemeinde im Westen der Insel. Einen guten Überblick bekommt Ihr auf gomeralive.de. Vueltas ist das Hafenviertel, von wo aus die meisten Wale Watching Touren starten. Hier findet Ihr auch die größte Dichte an Kneipen und Restaurants. Aber keine Angst, das Ambiente ist weit entfernt von Ballermann&Co.

Eine Woche La Gomera: Strand von Vueltas

Strand von Vueltas

Strände

Es gibt ein paar wenige, dafür aber schöne und vor allem saubere Strände in Valle Gran Rey. Am Strand von Vueltas ist das Publikum eine bunte Mischung aus Yoga-Begeisterten und Einheimischen. Der zwei Kilometer nördlich davon gelegene Playa Gran Rey ist größer und wegen seiner beliebten Uferpromenade auch touristischer.

Eine Woche La Gomera: Playa del Inglés

Playa del Inglés

Falls Ihr’s abgelegener mögt, dann wird Euch der Playa del Inglés gefallen. Hier sind die Hippies und die Freunde der FKK-Kultur in der Überzahl. Der Strand ist weitgehend naturbelassen und bietet zwischen den Sanddünen und Felsen genug windgeschützte Liegeflächen.

Bergdörfer in Valle Gran Rey

Für eine erste Erkundung des hinteren Teils von Valle Gran Rey könnt Ihr Euch als Ziel den Mirador César Manrique vornehmen. Auf dem Weg dorthin kommt Ihr durch einige in den Reiseführern angepriesenen Dörfer wie El Guro,  Los Granados oder Los Descanseros. Eine ausführliche Besichtigung lohnt sich aber nicht. Es ist mehr das Ensemble an Dörfern in Kombination mit der archaischen Landschaft, das den Flair ausmacht.

Eine Woche La Gomera: Valle Gran Rey

Valle Gran Rey

Alleine die Strecke auf der Routa GM-1 ist der Ausflug schon wert. Auf den steilen Serpentinen könnt Ihr hervorragend Eure Fahrkünste testen. Der Ausblick auf das Valle ist grandios und Ihr findet genügend Möglichkeiten anzuhalten und Fotos zu schießen. Zwei Stunden reichen dafür aus. Bei den Anfahrten zu den Wanderungen kommt Ihr noch genug in den Genuss der Routa GM-1.

La Calera

La Calera gilt als eines der schönsten Dörfer auf La Gomera und dem kann ich voll und ganz zustimmen. Die Häuser sind krass in die steilen Hänge hineingebaut und oft weiß man nicht, ob man sich noch auf einem offiziellen Weg oder schon auf einem privaten Grundstück befindet. Es macht Spass durch die kleinen Straßen zu laufen. Die bunten Fassaden und die liebevoll drapierten Pflanzen machen das Ambiente perfekt.

Fruchtgarten Argaga

Am Strand von Vueltas führt ein Schotterweg zum Fruchgarten Argaga. Ihr könnt zwar mit dem Auto hinfahren, aber der kurze Spaziergang von 15 Minuten ist wegen des Meerblicks schöner. Ich hatte mir den Garten anders, das heisst vor allem flacher, vorgestellt. Das Terrain ist terrassenförmig am Hang angelegt. Dadurch entsteht ein Mikroklima, das nachts die Wärme speichert und somit bestimmte Früchte besser gedeihen lässt.

Eine Woche La Gomera: Weg zum Fruchtgarten Argaga

Weg zum Fruchtgarten Argaga

Das Anwesen wird ausschließlich von Autodidakten geführt, die den Besuchern mit großer Leidenschaft die Geheimnisse der verschiedenen Fruchtsorten erklären. Die 10,00 € für die (obligatorische) Führung lohnen sich und Ihr werdet während der Tour immer wieder mit leckeren Früchten gefüttert. Zudem gibt’s tolle Ausblicke auf’s Meer. Ihr solltet Inklusive Hin- und Zurücklaufen anderthalb bis zwei Stunden einplanen.

Eine Woche La Gomera: Blick vom Garten auf Valle Gran Rey

Blick vom Garten auf Valle Gran Rey

 

Vallehermoso

Für die Gegend um Vallehermoso solltet Ihr einen ganzen Tag einplanen. Alleine wegen der spektakulären Fahrt lohnt sich das. Ihr könnt dabei die Grenzen Eurer Fahrkünste noch mal ein bisschen mehr testen. Neben den obligatorischen Spitzkehren sind die Straßen stellenweise nur einspurig und ungesichert, was bei Gegenverkehr eine echte Herausforderung sein kann.

Eine Woche La Gomera: Blick auf Vallehermoso

Blick auf Vallehermoso

Vallehermoso selbst ist nicht besonders spektakulär. Der Ort dient vielmehr als Ausgangspunkt für Bergwanderungen und Ausflüge. Beachtet bei der Klamotten-Wahl auch, dass das Klima durch die Höhe wesentlich rauer als in Valle Gran Rey ist. Bei der Abfahrt hatte das Thermometer knapp 20 Grad angezeigt, hier wird nur mit Mühe die zehn Grad Grenze erreicht (Mitte Januar).

Eine Woche La Gomera: Stausee Embalse de la Encantado

Stausee Embalse de la Encantado

Tipps rund um Vallehermoso:

  1. Embalse de la Encantadora: Schöner Stausee und Startpunkt für Wanderungen. Die Fahrt dorthin ist besonders haarsträubend. Macht aber Spass, auch wenn höchste Konzentration gefordert ist.
  2. Restaurante los Mocanes: Auf dem Weg zum Centro de Visitantes de Juegos de Bolas solltet Ihr dort trotz des etwas archaischen Ambientes Mittagspause machen – spanische Hausmannskost und das bestes Ziegenfleisch ever.
  3. Centro de Visitantes de Juegos de bolas: Gut gemachte Dokumentation über die einheimischen Produkte, die Natur und die Entstehungsgeschichte La Gomeras. Zudem lohnt sich ein Blick vom Mirador auf Teneriffas Wahrzeichen, den Pico del Teide.
  4. Mirador de Abrante: Rechts vorbei am Centro de Visitantes geht es zum meiner Meinung nach spektakulärsten Aussichtspunkt auf La Gomera. Die Kombination aus rote Erde, dem Blick auf den Teide und dem gläserner Skywalk hoch über der Steilküste ist fantastisch.

Wenn bei der Rückfahrt am Abend dann noch die Nebelwolken wie Geister durch den Lorbeerwald huschen, hattet Ihr einen perfekten Tag.

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