Reisetipp Sofia – Ein Wochenende mit einer Unbekannten (1) – Praktische Tipps

Sie ist eine Überraschung. Mit einer bewegten Geschichte zwischen Orient, Okzident und Sozialismus, verkörpert der Reisetipp Sofia das moderne und offene Osteuropa. Ein Wochenende lohnt sich auf jeden Fall, auch wenn die bulgarische Hauptstadt nicht ganz mit den Mega-Hotspots wie London oder Paris konkurrieren kann. Dafür bekommt Ihr aber etwas zu sehen, das abseits des Mainstream ist.

Praktische Tipps zuerst

Anreise

Mit dem Flieger dauert es ab Berlin zweieinhalb Stunden. Bei frühzeitiger Buchung liegt der günstigste Preis bei ca. 130,00 €. Direktflüge bedient die Austrian Airlines (ab München), Lufthansa, Air Berlin und die Bulgaria Air. Es gibt für den Rückflug auch Verbindungen Montags um 06:00 Uhr früh, was Zeit spart, da Ihr dadurch den gesamten Sonntag zum Sightseeing habt und den nächsten Tag nicht freinehmen müsst.

Um vom Flughafen ins Stadtzentrum zu kommen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Die Günstigste ist der Bus (Linie 84) für umgerechnet 50 Cent und dauert circa 30 Minuten. Eine weitere Alternative ist die Metro (Linie 1) – gleicher Preis bei einer knappen halben Stunde Fahrzeit. Einen guten Überblick über die Optionen bekommt Ihr über die offizielle Seite des Airport Sofia.

Reisetipp Sofia: Kathedrale Sweta Nedelja

Kathedrale Sweta Nedelja

Die Bequemste Alternative ist das Taxi. Hier heisst es aber Obacht geben. Wie in vielen südlichen Ländern werdet Ihr direkt nach dem Checkout von “freien” Taxifahrern und -diensten belagert. Lasst  bitte die Finger davon, das kann schnell teuer und vielleicht sogar ungemütlich werden.

Die O.K.-Taxis sind die einzigen, die einen offiziellen Vertrag mit dem Flughafen haben. Direkt am Ausgang des Terminals warten genug davon auf neue Ankömmlinge. Der Preis liegt bei unter 10,00 € und dauert ins Zentrum bei freien Straßen 20-25 Minuten. Die Besonderheiten des Sofioter Taxiverkehrs werden in epischer Breite bei Wkivoyage erörtert. Wer die Muse hat, hier der Link.

Übernachten

Am besten sucht Ihr Euch eine Unterkunft direkt im Zentrum. Damit könnt Ihr alles Sehenswerte schnell zu Fuß erreichen und habt die interessanten Bars, Clubs und Restaurants in Reichweite. Die Hotels sind generell nicht teuer. Low Budget Unterkünfte bekommt Ihr schon ab 10,00 €. Selbst Hotels mit vernünftigem Standard und in zentraler Lage findet Ihr für unter 50,00 € (pro Nacht im DZ mit Frühstück).

Reisetipp Sofia: Café in der Altstadt

Café in der Altstadt

Ich habe im Sofia Place Hotel gewohnt. Ein 3-Sterne Haus direkt im Zentrum für 40,00 € die Nacht im Doppelzimmer inklusive Frühstück mit eigenem Bad. Das Personal ist super freundlich und hilfsbereit, die Ausstattung der großen Zimmer fast schon auf 4-Sterne Niveau. Das Frühstück ist etwas spartanisch, reicht aber völlig aus.

Weitere Unterkünfte im Zentrum, die ich vorab recherchiert hatte:

  • Canape Connection Hostel: Doppelzimmer in Einzelbelegung ab 25,00€; im Schlafsaal für knapp 10,00 €; Frühstück ist inbegriffen; originelle Einrichtung der Zimmer und Gemeinschaftsbereiche
  • 5 Vintage Guest House: Nagelneues Hostel; sehr kreativ und liebevoll eingerichtet; das Einzelzimmer mit Gemeinschaftsbad ab 23,00 €
  • Guest House 32: Hostel in ähnlicher Preisklasse im Einzelzimmer mit Gemeinschaftsbad; Frühstück extra 2,50 €
  • Orange Flower Apartments: Der Name ist ein Versprechen, abgefahrener Einrichtungsstil in Orange, Rot und Lila; ab 40,00 € im Studio; es gibt davon ein paar Meter weiter einen kleineren Ableger
  • Casa Ferrari Bed & Breakfast: Standard B&B; Doppelzimmer in Einzelbelegung um die 40,00 € inklusive Frühstück
Reisetipp Sofia: Hotels im Zentrum

Hotels im Zentrum

Geld

In Bulgarien wird in Lew bezahlt, das Land ist noch nicht Teil der Eurozone. Als Faustregel gilt: Zwei Lew sind aktuell circa ein Euro. Nach dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf gemessen ist Bulgarien hinter Rumänien das ärmste Land Europas. Das durchschnittliche Einkommen liegt in ländlichen Gegenden bei umgerechnet 300,00€, in Sofia bei 400,00 €. Das Preisniveau ist daher im Vergleich zu Deutschland bemerkenswert niedrig. Für Essen, Übernachtung oder Eintritt bezahlt Ihr ungefähr die Hälfte dessen, was Ihr hierzulande hinlegt.

Reisetipp Sofia: Bulgarische Währung Lew

Bulgarische Währung Lew

Mit Kreditkarte kommt Ihr in Sofia fast überall problemlos durch. Die Infrastruktur ist sogar besser als in unserer Hauptstadt Berlin, wo viele Restaurants immer noch keine Karten akzeptieren. Trinkgeld wird ähnlich gehandhabt wie bei uns. Das heisst, bei Zufriedenheit mit Service und Qualität legt man 10% oben drauf.

Sicherheit

Der Gedanke liegt nahe, dass Bulgarien als ärmstes Land in Europa auch eine höhere Kriminalitätrate hat. Laut Auswärtigem Amt gibt es aber keine besonderen Sicherheitshinweise. Ich hatte beim Herumlaufen nie wirklich ein komisches Gefühl, selbst nach Einbruch der Dunkelheit.

Das hängt vor allem damit zusammen, dass auch noch am späten Abend viele Sofioter unterwegs sind, was zumindest eine subjektive Sicherheit verschafft. Trotzdem gilt wie überall: Obacht geben und sich nicht am späten Abend in einsamen Ecken herumtreiben oder Taschendiebe mit der Zurschaustellung von Wertgegenständen anlocken.

Reisetipp Sofia: Seitenstraße im Zentrum

Seitenstraße im Zentrum

Essen und Trinken

Neben den typisch bulgarischen Restaurants gibt es eine auffallend große Anzahl sehr passabler Italiener. Den mediterranen Einfluss spürt man hier auch gastronomisch. Obwohl die bulgarische Küche sehr fleischlastig ist, habt Ihr mittlerweile wie in anderen Großstädten eine vernünftige Auswahl an Restaurants mit vegetarischem und veganem Essen.

Angenehm fand ich zudem, dass man selbst in den beliebten “Wirtshäusern” auch am Wochenende ohne Reservierung einen Tisch findet. Die Nachfrage der ausgehfreudigen Sofioter ist groß, aber das Angebot scheint größer zu sein.

Reisetipp Sofia: Restaurant „Made in Home“

Restaurant „Made in Home“

Hier ein paar Empfehlungen im Zentrum, die ich selbst getestet habe:

Divaka: Bulgarisches Restaurant mit entspannt begrünter Außenbereich und einfacher, aber guter lokaler Küche; ideales Restaurant zum Lunchen und dazu noch sehr günstig; die Verständigung auf Englisch ist etwas holprig, dafür ist der Service aber schnell und extrem freundlich 

La Bottega: Einer der vielen Italiener mit weiteren Ablegern auf ähnlichem Niveau; stylisches Ambiente mit Liebe zum Detail inklusive der vielen Weinflaschen, die von der Decke hängen; der Service ist schnell und sympathisch; die Auswahl geht über Pizza&Pasta hinaus mit etwas anspruchsvolleren Fleisch- und Fischgerichten auf der Karte

Ascua: In einer kleinen Seitenstraße direkt um die Ecke von La Bottega und ebenso stylisch eingerichtet; Fokus auf frischen Fisch und hochwertigem Beef, dazu eine gute Auswahl bulgarischer Weine; wesentlich teurer als andere Restaurants, dafür aber top Qualität und freundliche Kellner, die sich auskennen

Made in Home: Alternativ-hipsteresk mit zusammengewürfeltem Mobiliar, unverputzten Wänden und lustiger Menükarte in Form eines Kinderbuchs; das Essen ist, wie der Name schon sagt, hausgemacht und absolut lecker, dazu Vegetarisches und mächtig gehaltvolle Kuchen und Desserts, die man sich direkt an die Hüfte kleben kann

Reisetipp Sofia: Restaurant „Made in Home“

Restaurant „Made in Home“

Nachtleben

Sofia kann sich hier nicht ernsthaft mit London oder Berlin messen. Trotzdem findet Ihr eine Reihe von Clubs und Bars, die sich lohnen – alleine schon, um auch den Teil des Sofioter Lebens kennen zu lernen. Auch hier sind die Preise für Eintritt und Getränke moderat. Das Publikum ist unaufgeregter und weniger distanziert als in Deutschland und man kommt ziemlich schnell ins Gespräch.

Ich hatte mir den Club Terminal 1 vorgeknöpft. Der Schwerpunkt ist Indie / Alternative mit regelmäßigen Live Acts vor allem lokaler Bands. Ebenso wie in den Clubs anderer Metropolen füllte sich der Laden erst gegen 1:00/1:30 Uhr. Das Ambiente ist recht kommerziell mit präsenten Security-Leuten, die auch sofort zur Stelle waren, als es nur den leisesten Hinweis auf Ärger gab.

Zwei weitere Locations im Zentrum, in denen hauptsächlich House und Techno aufgelegt wird: Chervilo und Yalta Club, wobei mir letzterer wärmstens empfohlen wurde.

Außerhalb hat sich in den letzten Jahren im südlichen Campus-Bezirk Studentski Grad ein ziemlich buntes Nachtleben entwickelt. Studentski Grad ist mit dem Taxi in circa 15 Minuten von der Altstadt aus zu erreichen. Zum Besichtigen ist dieser Teil Sofias nicht wirklich lohnenswert. Ihr findet hier sozialistische Plattenbauarchitektur in seiner “reinsten” Form. Für Feierwütige ist aber laut Aussage von Einheimischen die Anfahrt durchaus zu empfehlen.  

Weitere Quellen für die Hedonisten unter Euch:  

  • Back-Packer: Reiseblog mit guten Tipps aus eigener Erfahrung
  • TNT Magazine: Artikel über das “most secretive nightlife in Sofia”

Zu den Touren geht’s hier lang.

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