Neues vom Italiener in Berlin – mal zwei: Vino & Basilico und Briefmarken Weine

Vino & Basilico Berlin

Gibt’s eigentlich nicht schon genug Italiener in Berlin? Ein klares NEIN. Die italienische Küche ist eine der vielfältigsten und die Bandbreite vom Pizzastück auf die Hand bis hin zum Gourmettempel wie das Bocca di Bacco in Berlins Mitte-Mitte ist riesig. Immer auf der Pirsch nach neuen Verköstigungseinheiten in unserer Hauptstadt, stieß ich auf zwei Newbies, das Vino & Basilico und das (oder die?) Briefmarken Weine.

Vino & Basilico – wo liegt eigentlich Ligurien?

Spät dran wie immer und dann noch diese Oranienburg Straße entlang vom Hackeschen Markt, inbegriffen dem Spießrutenlauf durch die Winke-Männchen, die einen in die gastronomischen Tourifallen schleusen wollen. Kurz vor dem Tacheles geht’s dann rechts in die Tucholskystraße rein. Und da ist es dann schon, das Vino & Basilico. Große Fensterfront, einladendes Ambiente, aufgeräumtes, klares Konzept aus viel hellem Holz, weißen Wänden und dezenten Farbtupfern und Dekoration mit Loft-Flair. Direkt geradeaus die offene Küche, in der die Pfannenkünstler für alle sichtbar werkeln, rechts ein Tresen, der den zweiten Raum optisch trennt. Insgesamt hat das Vino & Basilico für circa 40 Gäste Platz.

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Frischer Fisch und Hausgemachtes

Noch ein paar Worte zur ligurischen Küche. Ligurien ist einer der kleinsten Regionen im Nordwesten Italiens, mit Blick nach Frankreich. An der Küste gelegen, geht’s hier hauptsächlich fischig und krustentierisch zu. Beim Grünzeug dominiert das Basilikum – aha, daher also der Name Basilico. Die Ligurer sind übrigens auch noch die Erfinder des klassischen Pesto alla Genovese.

Es waren nur ein paar Gäste da (an einem Donnerstag). Das Vino & Basilico hat erst seit Ende letzten Jahres offen, in Berlin dauert das naturgemäß etwas bis die Hütte voll ist, besonders bei der großen Konkurrenz in der Gegend. Zudem verteilt sich das Publikum über den ganzen Tag, die Öffnungszeiten sind von 8:00 – 1:00 Uhr, das Vino bietet auch Frühstück und Mittagessen an.

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Die Abendkarte besteht traditionell italienisch aus Antipasti, Primi Piatti, inklusive selbstgemachter Pasta, und Secondi Piatti, mit einer guten Mischung an Gerichten aus Fisch, Krustentieren und Fleisch. Vorneweg gab’s einen kleinen Prosecco auf’s Haus, nette Geste. Wir wählten je eine Hauptspeise: Einmal (frisches) Steinbuttfilet (16,00 €) auf Kartoffelcreme und natürlich… Pesto. Zum zweiten gegrillten Tintenfisch (13,00 €) mit Zwiebelmarmelade (super lecker) und Safranreis. Beides richtig zart, guter Garpunkt, wobei der Steinbutt vielleicht eine Minute zu früh aus der Pfanne gehüpft ist. Aber besser so als die vertrockneten Pseudofische, die man in anderen Läden vorgesetzt bekommt.

Die Weinkarte enthält konsequent italienische Weine, die man auch zum Mitnehmen kaufen kann. Die Offenen – wir hatten einen einfachen, aber ehrlichen Montepulciano und Nero D’Avola – kosten 3,00 € (0,1l ) und 5,00 € (0,2l) – das passt, besonders für den Standort. Desserts inklusive der italienischen Klassiker wurden von der echt charmanten und echt italienischen Bedienung angesagt, weil wohl häufig wechselnd und daher nicht auf der Karte. Wir teilten uns einen selbst gemachten Apfelkuchen (Torta di Mele) mit Vanilleis, da gab’s nix auszusetzen, war lecker und mit dem Espresso ein prima Abschluss.

Das Fazit

Die drei Besitzer, Simone, Daniele & Alessandro, selbstverständlich aus Ligurien, verstehen Ihr Handwerk. Ambiente top, mir gefällt der minimalistische, klare Stil im dezenten Retro-Design. Passt wunderbar zu den Kompositionen auf dem Teller. Die Gerichte, die wir hatten, waren frisch und in der Zusammenstellung kreativ. Steinbutt und Tintenfisch hätten aber noch eine Spur besser gewürzt sein können.

Italienischer Charme statt kühle Professionalität bei den beiden Camerieras. Wer letzteres sucht, muss woanders hingehen, auch wer die Speisekarte nach orthografischer Perfektion bewertet. Die Preise für’s Essen und für die Getränke sind für die Gegend überraschend günstig. Bin gespannt wie die drei auf Dauer den Spagat zwischen Frühstück, Mittag- und Abendessen meistern. Ich drücke auf jeden Fall die Daumen und nachdem ich jetzt auch weiß, wo Ligurien liegt, werde ich sicher noch mal hingehen. Update folgt. Internet: Vino & Basilico.

Briefmarken Weine – wie bitte?

Samstagabend, pünktlich 20:15 Uhr, Karl-Marx-Allee 99, Friedrichshain, U-Bahnhof Weberweise, zwischen Küchenstudios, Maredo Mainstream-Restaurants, in einem der imposanten Häuser im sogenannten Zuckerbäckerstil (böse Zungen nennen es auch “Stalingotik”) – da ist es und heisst tatsächlich so: das (die) Briefmarken Weine.

Eigentlich war ich auf Japaner eingestellt, aber auf Tipp meiner Begleitung haben wir umdisponiert. Gleich vorneweg – es war eine kluge Entscheidung. So ganz anders, als man in der Gegend erwartet, der Laden könnte auch im tiefen Kreuzberg oder Neukölln sein, genauso das Publikum. Briefmarken Weine hat seit fast einem Jahr geöffnet und ist bislang offensichtlich komplett an mir vorbeigegangen. Aber kein Wunder, die erste Zeit war laut Aussage der Betreiber fast nix los, erst seit Kurzem blüht das Geschäft – gut Ding will Weile in Berlin.

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Im Laufe des Abends waren dann auch die Tische mehrfach belegt. Wir hatten zum Glück reserviert, was am Wochenende auf jeden Fall zu empfehlen ist. Ein wirklich uriges Ding, genauso wie die super-sympathischen, italienischen Geschäftsführer. Freigelegter Altbau-Charme auf zwei Räume verteilt, in mühevoller Kleinarbeit her- und eingerichtet, und ja, die Weinbar war vorher wirklich ein Briefmarkengeschäft.

Trinken wir! Wozu auf die Lampen noch warten?

Es gab immer etwas Neues zu beobachten und zu entdecken, selbst die Toilette mit den tapezierten Wände aus historischen Zeitungsartikeln oder ganz besonders entzückend das Stilleben an der Wand (siehe Bild unten). Der Fokus ist Wein, natürlich alles in Italienisch, zu essen gibt es Kleinigkeiten – Antipasti-Teller in allen vegetarischen und fleischlichen Versionen, dazu eine eigene Mozzarella-Karte. Letzteres haben wir nicht probiert, leider, denn die Lustlaute am Nachbartisch machten neidisch.

Passend das Motto zur Gewichtung Trinken versus Essen: “Grandi Vini, Piccola Cucina” (Große Weine, kleine Küche). Die Menge an Sorten hat uns erst mal überwältigt. Aber die Jungs erklären alles, scheinen selbst ihrem eigenen Rebensaft verfallen zu sein und können die Weine bis ins letzte Charakterdetail beschrieben. Charmant die Farbeinteilung nach der Vier-Elemente-Lehre in der Weinkarte, oder besser: dem Weinbuch, das man den ganzen Abend immer wieder durchblättern könnte.

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Wir haben zwei Piemonteser gewählt, als 0,13l im offenen Ausschank, großzügig eingeschenkt. Klasse auch, weil in vielen Läden nicht daran zu denken: Ein Probierschlückchen, ob’s der Richtige für einen ist. Die “Piccola Cucina” – Antipasti vegetarisch, Salsiccia und einer leckeren vom Knoblauch dominierten Mortadella – hat gepasst und war frisch. Die gegrillten Zuccini vielleicht eine Spur zu sauer mariniert, na klar, wir Deutschen finden aber auch immer was zum Aussetzen!

Der Service war wirklich super den ganzen Abend über, die Jungs haben Bock auf Ihren Job, meinen es ernst und kümmern sich. Bis hin zur Zigarette, die einer der Besitzer uns zum Schluss angeboten hat. Eines der entspannten Lokale für gehobenen Rebensaft, die seit einiger Zeit überall in Berlin aus dem Boden schießen. Wer hätte gedacht, dass die Berliner irgendwann noch Weinkultur lernen. Den Italienern sei Dank, 1.500 Jahre nach Untergang des Römischen Reichs bringen sie ein zweites Mal (Wein-) Kultur nach Germanien, diesmal in cool. Ist nix, um mit den Eltern gediegen einen guten Tropfen zu trinken, wobei… die italienische Opernmusik dezent im Hintergrund fänden sie klasse.

Das Fazit

Sympathisch, atmosphärisch, aufregend unaufgeregt, italienisch, passt und bleibt haften. Ob ich wieder komme? Klar, auch wenn es nur noch ein halber Geheimtipp ist, aber da stehen die Briefmarken Weine drüber.

Internet: Briefmarkenweine inklusive des schrulligen Videos hier:

 

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