Tapas auf Deutsch – Das Michelberger Restaurant

Seit 2009 ist das Michelberger Hotel eine feste Größe an der Schnittstelle zwischen Kreuzberg und Firedrichshain. Das Konzept rockt und das Restaurant hält beständig sein überraschend hohes Niveau. Seit Oktober gibt es dort eine kulinarische Neuausrichtung und ich musste selbstverständlich sofort hin und ausprobieren.

Das Michelberger Restaurant

Samstagabend, kurz nach sieben. Mit der M10 (aka “Party-Tram”) lande ich pünktlich an der Endhaltestelle Warschauer Straße und werde direkt in den (Ost-)Berliner Großstadtdschungel gespült. Die Party-Kids bereiten sich auf die Nacht vor und eine süßlich duftende Kräuterwolke begleitet mich auf die andere Straßenseite.

Michelberger Restaurant - Innenhof

Innenhof

Am Eingang steht unauffälliges Security-Personal, nach Einbruch der Dunkelheit ist die Gegend nicht ohne. Durch die lässige Lobby, in der noch lässigere Hotelgäste herumlungern, vorbei an der Rezeption und rechts über den beeindruckenden Innenhof geht’s mit Vorfreude ins Restaurant. Um es vorweg zu nehmen: Auch diesmal hat mich das Michelberger voll überzeugt.

“Das Michelberger passt mit seiner kreativen Lässigkeit perfekt in das Ambiente der Warschauer Straße.”

Ambiente – rockt

Der Auftritt des Restaurants ist minimalistisch und erinnert an sein Vorleben als Fabrikgebäude. Die gekachelten Wände und das reduzierte Mobiliar machen auf den ersten Blick nicht den gemütlichsten Eindruck, was aber durch die dezente Beleuchtung gekonnt wett gemacht wird. Großartig auch der Blick durch die großen Fenster auf die irre Szenerie der Warschauer Straße.

Michelberger Restaurant - Innenraum mit langen Tiischen

Innenraum

Laut ist es. Die hippen und internationalen Gästegrüppchen sitzen an langen nackten Holztischen direkt nebeneinander, was den Geräuschpegel nach oben treibt. Trotzdem kommt rasch Wohlfühlatmosphäre auf, was vor allem mit dem zuvorkommenden Personal und dem leckeren Essen zu tun hat. Für ein Erstes-Date-Candlelight-Dinner würde ich das Michelberger trotzdem nicht empfehlen.

“Trotz des minimalistischen Auftritts und der Lautstärke kommt im Michelberger rasch Wohlfühlatmosphäre auf.”

Personal – unberlinisch

Wir werden sofort von einer freundlichen Servicekraft begrüßt, die uns die Karte und das Konzept erklärt – auf (British-)Englisch, die “Amtssprache” im Michelberger. Als gelernter Hotelfachmann stehe ich normalerweise mit dem (typischen) Berliner Dienstleister aus guten Gründen auf Kriegsfuß. Hier gibt’s aber den ganzen Abend nichts auszusetzen. Die Kellner sind fix, professionell und kümmern sich und haben offensichtlich richtig Spass an der Arbeit. Check.

Essen – besonders

“…eine modern, gemeinschaftliche esserfahrung mit einer küche, die mit saisonalen und lokalen produkten aus biologischer landwirtschaft arbeitet. in enger zusammenarbeit mit jägern, sammlern und bauern aus brandenburg.”

So die vollmundige Ankündigung auf der Speisekarte. Zum Punkt “gemeinschaftlich”: Es gibt keine Gerichte im klassischen Sinne. Die Portionen erinnern mehr an “Raciónes” in einer Tapas Bar, die man sich mit seiner Gruppe teilt. Im Unterschied zur spanischen Variante ist hier die Basis der Gerichte aber urdeutsch – mit einer stark avantgardistischen Note.

Wildschwein-Kroketten, Kartoffeln mit Pilzen und Furikake

Wildschwein-Kroketten, Kartoffeln mit Pilzen und Furikake

Auf der Karte findet Ihr die Rubriken “snacks” – €3,00 bis €10,00 (die wildschwein kroketten haben besonders gerockt) -, “gemüse” – €9,00 bis €12,00 (kürbis beignets, parmesan, trüffel geht weit über das Selbstverständnis von Gemüse hinaus), “fleisch” – €10,00 bis €16,00 (hirsch, rote beete, herbstbeeren, kaffee war nicht nur in seiner Kombination, sondern auch geschmacklich der Hammer), “fisch” (geräuchertes fischmousse, kohlrabi, gebeiztes Ei könnte genauso gut auf der Karte eines Sterne-Ladens stehen), “süsse” – €7,00 (frische und vor allem nicht zu süß-klebrige Desserts wie etwa birne, büffeljoghurt, lorbeer).

“Die kulinarischen Kombinationen könnten genauso gut auf der Karte eines Sterne-Lokals stehen.”

Lamm mit Pastinaken und Ziegenquark

Lamm mit Pastinaken und Ziegenquark

Wenn’s ums Essen geht, bin ich überdurchschnittlich kritisch, aber hier gab’s nichts zu meckern. Die Zutaten waren klasse, die Zubereitung frisch und die Kombinationen haben selbst mich als alten “Gastro-Hasen” überrascht. Zudem sind die Preise bei der hohen Qualität absolut in Ordnung. Die aktuelle Karte findet Ihr auf dem Blog des Michelberger Restaurants.

Fazit

Das Michelberger Restaurant ist ein Highlight auf der Warschauer Straße, das seit Jahren ein hohes Niveau hält und konsequent sein Konzept lebt. Auch wenn die Location für ein zweisames Candle-Light-Dinner ungeeignet ist, könnt Ihr hier eine Menge Spass haben. Ich komme auf jeden Fall wieder.

Internet: michelbergerhotel.comSpiegel Online

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