Ein Besuch in Dieter Meiers Restaurant Ojo de Agua Berlin

Ojo de Agua Berlin - Puro-Weine im Temperierschrank

Welch Zufall. Kaum bin ich ein paar Tage aus Argentinien zurück, eröffnet der Konzeptkünstler und Avantgardist Dieter Meier am 03. März in Berlin-Wilmersdorf seinen Berliner Ableger des “Ojo de Agua”. Dieter Meier ist seit Ende der 90er Jahre in Argentinien mit Rinderzucht und Weinanbau aktiv – alles konsequent auf biologische Landwirtschaft und hohe Qualität ausgerichtet.

Das Gesamtkonzept ergänzen die Restaurants in Buenos Aires (Ocho Once), Frankfurt und Zürich (jeweils Ojo de Agua). Da ich das Weingut (Ojo de Vino) in der Region Mendoza besucht hatte – siehe dazu meinen Blog-Beitrag – war ich gespannt, wie sich die Berliner Version präsentieren wird. Der Name Ojo de Agua, “Auge des Wassers”, bezieht sich übrigens auf die Wasserlöcher, an denen die Rinder in der argentinischen Pampa trinken.

Ein Ojo de Agua in Berlin

Das Ojo de Agua Berlin ist in der etwas unspektakulären Ludwigkirchstraße 10 im Berliner Westen/Wilmersdorf gelegen. Von außen kaum als solches zu erkennen, rauschte ich zunächst ein paar Mal vorbei, bis ich auf meine Verabredung traf. Wir wurden am Eingang vom freundlichen Philipp Prinz von Preußen, der mit seinem Bruder Christian das Ojo als Geschäftsführer leitet, begrüßt und an unseren Platz im hinteren Teil geführt.

Obwohl erst ganz frisch eröffnet, war das Restaurant schon gut besucht. Es hat Platz für ca. 30 Gäste an den Tischen plus den Plätzen am Tresen, der sich stilvoll als Dreh- und Angelpunkt durch den Großteil des Raumes zieht.

Das Ambiente erinnert an ein französisches Bistro der gehobenen Klasse. Die Wände sind in rot gehalten und aufgelockert durch klassische argentinische Bildmotive. Das Mobiliar ist schlicht aber geschmackvoll, genauso wie die dezente Beleuchtung. Das Publikum ist eine Mischung aus Westberliner Establishment und einer Spezies von jüngeren Gästen, die man auch in den hippen Wirtshäusern im “Prenzlberg” oder Friedrichshain trifft.

Ojo de Agua Berlin - Blick in den Gastraum

Ein böser Wein

Als Weinliebhaber zog es mich gleich zum gut gefüllten Temperierschrank mit dem Sortiment der eigenen Puro-Serie und dem Flaggschiff, dem “Malo” (auf Deutsch “schlecht” bzw. “böse”) – alles aus Bio-zertifizierten Trauben gekeltert. Bis auf den “Malo” werden die Weine auch offen als 0,1 oder 0,2 Liter ausgeschenkt und starten bei 4,50 €. Ich hatte mich für einen wunderbar kräftigen im Barrique ausgebauten Corte d’Oro entscheiden. Mit 14,00 € für 0,2l nicht ganz billig, aber der Genuss war’s wert.

Am Ende des Abends gab es übrigens noch mal einen kleinen Nachschlag auf’s Haus – kleine Geste, große Wirkung. Das bleibt beim Gast in guter Erinnerung. Insgesamt fand ich den Service, von Philipp von Preußen teilweise selbst durchgeführt, sehr persönlich und aufmerksam. Man merkt, dass das Servicepersonal gut geschult ist und Ahnung von den eigenen Produkten hat.

Das Rind ist der Star

Ojo de Agua Berlin - Menükarte

Und das Essen? Die Karte ist übersichtlich mit vier Vor- drei Haupt- und vier Nachspeisen. Die Zusammenstellung wirkt auf den ersten Blick eher einfach und bodenständig, was aber Teil des Konzepts ist. Anlog zur Bezeichnung der Weinserie “Puro” geht es hier um die Qualität der Produkte, wobei im Mittelpunkt das eigene Bio-zertifizierte Bife de Chorizo (tranchiert) und das Filet (am Stück) steht, beides vom Rind.

Wir hatten als Vorspeise Palmenherzen mit Tomaten Trüffel Chutney bestellt, kalt serviert, was lecker und vor allem frisch war. Als Hauptgang dann die Kombination Bife de Chorizo und Filet, mit einer Café de Paris Sauce, einem frischen Salat mit kräftigem Dressing und dunklem Brot dazu. Die Sauce hätte man getrost weglassen können –  aber nicht, weil sie nicht gut war, ganz im Gegenteil, sondern weil das Fleisch einen so feinen Eigengeschmack hatte, dass Gewürze und Saucen fast einer Beleidigung für das Rind gleichkommen.

Im Gegensatz zu normalen Steakrestaurants wird im Ojo nicht kurzgebraten, sondern bei Niedrigtemperatur über mehrere Stunden gegart. Das Ergebnis ist neben dem Geschmack die zarte Konsistenz und das kräftige Rosa. Das Dessert mit Schokoladentarte und Mangoeis war eine solide und wohl hausgemachte Angelegenheit, worüber man bei einem Preis von 5,80 € bzw. 4,00 € nicht meckern kann.

Ach ja, vom abschließenden Kaffee gibt es noch zu berichten, dass Dieter Meier als kulinarischer Tausendsassa jetzt wohl auch unter die Kaffeeröster gegangen ist. Damit passt selbst der Espresso ins Konzept und schmeckt zudem noch.

Das Fazit

Als Kontrapunkt zu anderen Konzeptrestaurants wie dem Filetstück, kommt das Ojo de Agua Berlin angenehm unprätentiös daher. Auch sind die Preise für die Gerichte in Anbetracht der hohen Qualität vergleichsweise moderat. Die Karte könnte aus meiner Sicht außer dem dunklen Brot noch ein bis zwei weitere Beilagen aufnehmen. Gleiches gilt für den Vorspeisenteil, bei dem ich mir neben den Palmenherzen noch ein zusätzliches “grünes” Gericht gewünscht hätte.

Alles in allem ist das Ojo aber angefangen beim Service über die Qualität der Gerichte bis hin zum Ambiente eine runde Sache und wird mich als Prenzelberger mit Sicherheit in Kürze wieder dazu bewegen, in den Westen rüber zu machen.

Internet: Ojo de Agua

Ojo de Agua Berlin - Blick in den Gastraum

Ojo de Agua Berlin - Blick auf den Tresen

Ojo de Agua Berlin - ein Blick auf die Weinkarte

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