GOGOGI Berlin – “Forget all Korean food you’ve had before”

GOGOGI Berlin - Kimchi-Salat als Aufmerksamkeit des Hauses

Metallstäbchen und Fermentiertes sind meine ersten Assoziationen mit der koreanischen Küche. Die asiatische Vielfalt im kulinarischen Sinne nimmt zu in Berlin und das ist gut so. Neben Klassikern wie dem Kimchi Princess in Kreuzberg haben in letzter Zeit einige interessante Restaurants aus dem Süden Koreas aufgemacht. Eines davon ist das GOGOGI in Mitte, ein Projekt dreier koreanischer Künstler, das seit Ende März am Start ist.

Das GOGOGI Berlin – Südkorea in Hipster Town

Mittwoch 19:00 Uhr, und es ist wieder Hipster-Großalarm im Weinbergsweg in Berlins Mitte. Kaum ist es etwas wärmer draußen, hängt vor den unzähligen Cafés und Kneipen die ‘Scene’ entspannt mit Molle und Selbstgedrehter ab. Die Gastronomie-Dichte um den Rosenthaler Platz nimmt mittlerweile beängstigende Ausmaße an. Aber im Gegensatz zu anderen Kiezen stimmt hier in den allermeisten Fällen die Qualität der Küche und die Kreativität der Konzepte.

Von außen wirkt das GOGOGI unscheinbar. Innen ist es in der von mir hoch geschätzten minimalistischen Ästhetik mit Estrich als Boden und dunklem Holz bei den Möbeln eingerichtet. Für das Innendesign zeigt sich übrigens Küchenchef Jong Hwan Kim verantwortlich. Die Tische und Stühle sind ein kreativer, aber nicht zu wilder Mix aus verschiedenen Stilen. Es trifft koreanisches Vintage Design auf europäisches Flair. Sowohl im vorderen als auch im hinteren Bereich herrscht eine sympathische Atmosphäre und es ist eigentlich egal in welchem Teil man sitzt.

Wir wurden nett begrüßt und die vorherige Reservierung über die Facebook-Seite hat auch wunderbar geklappt. Eine halbe Stunde später war schon fast die Hälfte der Plätze besetzt, über den restlichen Abend hinweg herrschte dann permanenter Hochbetrieb, teilweise mit zwei- bis dreifacher Belegung. Für ein neues Restaurant in Berlin kann man nur sagen: “Hut ab”, dat läuft ja schon. Eine Reservierung ist zu empfehlen, aber wer Zeit mitbringt, findet bei der hohen Fluktuation ziemlich schnell einen Tisch.

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Das Geheimnis der Fermentation

Vorneweg gab es als Amuse Gueule und damit als nette Aufmerksamkeit des Hauses eine kleine Portion Kimchi-Salat mit einer Fischsauce. Der war für nicht-asiatische Gaumen grenzwertig scharf, aber extrem lecker. Da wir nur ein ‘Hüngerchen’ hatten, bestellten wir zwei Vorspeisen. Zum einen Pajeon, ein Pfannkuchen mit Meeresfrüchten und Frühlingszwiebeln. Einfach so gegessen, war das etwas fad und mehlig, aber in Sojasauce getunkt durchaus geschmackvoll. Für ungeübte Europäer können dabei die typisch koreanischen Metallstäbchen zum Problem werden, wenn sich die recht langen Lauchzwiebelstreifen auf Gesicht und Hemd verselbständigen – lasst lieber die Finger weg beim ersten Date.

Zum anderen hatten wir Doenjang Jjigae, einem Eintopf mit Sojabohnenpaste aus fermentierten Bohnen, Kartoffeln, Zuccini und butterzartem Tofu. Die Gemüsebrühe als Basis für den Eintopf war der Hammer. Ich bin beim besten Willen kein Suppenkasper, aber das Gebräu war großartig, gut gewürzt und frisch. Außerhalb der Karte hat das GOGOGI noch koreanische Dessert-Klassiker im Repertoire. Wir teilten uns ein Injeolmi-Eis, d.h. Vanilleeis mit einem Topping aus getrocknetem Bohnenpulver. Die Kombination ist so gewagt und gekonnt wie das japanische Grünteeeis und liegt mit 2,50 € im fairen Bereich.

Der durchweg koreanische und fast ausschließlich englischsprachige Service war die ganze Zeit über hilfsbereit und ehrlich freundlich. Man merkt aber an Kleinigkeiten, dass das GOGOGI bei den Abläufen noch nicht 100% sattelfest ist. Das wird sich bestimmt bald einspielen, das Personal ist auf jeden Fall sehr motiviert. Es gab auch keine überlangen Wartezeiten, die genervt hätten.

Fazit

“Forget all Korean food you’ve had before” – so lautet die ambitionierte Präambel der Menükarte. Das kann ich zwar noch nicht so ohne weiteres unterschreiben, aber was die Authentizität und Kreativität angeht, ist der Anfang gemacht.

Ich bin überzeugt, dass sich das GOGOGI mit dem Konzept und besonders in der Lage etablieren wird. Preislich liegen sowohl die Gerichte als auch die Getränke im akzeptablen Mittelfeld. Ob ich wieder komme? Ja, sehr gerne. Dann aber mit etwas mehr Hunger, um eines der koreanischen Barbecues zu testen, die uns den ganzen Abend auf den Nachbartischen neidisch gemacht haben.

Adresse: Weinbergsweg 24, 10119 Berlin; Telefon: +49 30 55246141; Web: gogogi.de; Facebook: gogogiberlin

 

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