Restaurantbericht: Dottir Berlin – Sushi auf Isländisch

Nach dem fünften Anlauf hatte ich es endlich geschafft: Eine Tischreservierung im Dottir Berlin. Die Erwartungshaltung war entsprechend groß. Gleich vorneweg, das isländische Fischrestaurant in Berlins Mitte hat geliefert und wertet das kulinarische Sortiment der Hauptstadt kräftig auf.

Dottir Berlin – Zurück in die 90er

Dottir Berlin: Eingang

Eingang zum Dóttir

Ich kann nur empfehlen, mindestens zwei bis drei Wochen im Voraus zu reservieren. Die Tischbelegung erfolgt in zwei Schichten, einmal von 18:30 bis 20:30 Uhr und ab 21:00 Uhr. Dóttir heisst übrigens “Tochter” und leitet sich vom Namen der gerade mal 27-jährigen Küchenchefin Victoria Eliasdóttir ab. Einen guten Hintergrundbericht über die Entstehungsgeschichte findet Ihr in der FAZ.NET.

Wenn Ihr von der Friedrichstraße in die Mittelstraße abbiegt, springt Euch schon von Weitem ein wie aus der Zeit gefallener Altbau ins Auge. Welcome back to the 90’s. Genau dort hat sich das Dóttir eingenistet. Daher auch der Hinweis in anderen Rezensionen, dass der Standort nur temporär ist und bald der Sanierung zum Opfer fällt.

Dóttir Berlin: Innenraum

Innenraum

Auch innen dominiert robuster Charme und großflächige Patina. Dem entsprechend passt sich das Inventar mit skandinavischem Minimalismus an und die dezente Beleuchtung setzt das Ganze gekonnt in Szene.

Der Fisch ist der Star

Doch nun zum Wesentlichen, dem Essen. Es wird ein Menü angeboten, á la carte gibt’s nicht, was die Qual der Wahl deutlich verringert. Die Gerichte wechseln, abhängig von der Saison, dem verfügbaren Fisch und wahrscheinlich auch der kreativen Laune von Fräulein Eliasdóttir. Ihr habt aber die Möglichkeit, Sonderwünsche zu äußern, wenn es Unverträglichkeiten oder Abneigungen gegen bestimmte Zutaten gibt.

Die vier Gänge Variante kostet 58,00 €. Wer das noch mit einer kleinen Käseplatte krönen möchte, ist mit 65,00 € am Start. Auch die Weinkarte ist übersichtlich gehalten, zum Glück ohne den üblichen 08/15 Stoff, und bietet einige richtig interessante Tropfen aus Baden, Rheinhessen und der Pfalz.

Dóttir Berlin: Vorspeise

Vorspeise – “Sushi” vom Dorsch

Wie es sich für Skandinavien gehört, gab es vorneweg selbst gemachtes Knäckebrot, kunstvoll in einem mit Meersalz gefüllten Glas angerichtet. Zum Menü selbst bekommt man leckeres frisches Brot. Die Variante mit Kümmel ist ebenfalls hausgebacken.

Sushi auf Isländisch

Los ging es mit der isländischem Variante des Sushi. Das heisst, rohe Tranchen vom Dorsch mit einem Topping aus Mini-Shrimps an Salat, garniert mit Sonnenblumenkernen in Senf-Dressing. Das war wirklich spitze, man schmeckt dabei die hervorragende Qualität und Frische des Fischs. Beim Zwischengang ging’s saisonal zu mit Spargel an Erbsen, Speck und einem pochierten Ei.

Dóttir Berlin: Spargel mit pochiertem Ei

Vorspeise – Spargel mit pochiertem Ei

Die Kombinationen bei den Vorspeisen waren insgesamt stimmig und gut gewürzt. Einziger Wermutstropfen war der etwas zu “knackige” Spargel. Der Service hat die Kritik aber ernstgenommen und direkt an die Küche weitergegeben.

Apropos Service. Wir fühlten uns den ganzen Abend gut betreut. Das Personal war super zuvorkommend und geschult. Auf Tripadvisor wird der Service unter anderem als “bemüht” und arrogant bezeichnet. Das kann ich defintitiv nicht bestätigen. Lediglich beim zweiten Schwung Gäste zum Schichtwechsel um 21:00 Uhr waren die Bedienungen beim Abräumen und neu Eindecken merklich gestresst.

Dóttir Berlin: Hauptgang

Hauptspeise – Lachs und Buttermilch

Schonend gegart

Der dritte Teil hat die ersten beiden dann noch einmal getoppt, so wie es sich für einen Hauptgang gehört. Lachs hört sich zunächst nicht besonders innovativ an, aber die Kombination mit Buttermilch gibt dem Fisch eine überraschende Richtung.

Zudem nutzt das Dóttir Berlin als Zubereitungsmethode das sogenannte Sous-vide-Verfahren. Der Lachs wird dabei 45 Minuten im Vakuumbeutel bei kleiner Hitzer schonend gegart. Dadurch bleibt der Geschmack besser erhalten und der Fisch zergeht förmlich auf der Zunge. Dafür gibt’s von mir die volle Punktzahl.

Dóttir Berlin: Nachspeise

Erdbeeren mit Skyr

Gar nicht so süß

Was dem Japaner sein Wasabi- und Grüntee-, ist dem Isländer wohl sein Skyr-Eis. Die isländische Variante des Yoghurt war mir neu und hat mich positiv überrascht. Im Vergleich zu “normalem” Eis ist es weniger süß und klebrig und trifft daher wahrscheinlich nicht jedermanns Erwartung an ein Dessert.

Die Komposition mit Erdbeere wurde am Tisch mit einer kalten Kamille-Sauce übergossen. Der “Kamillentee” ist aber geschmacklich kaum ins Gewicht gefallen. Hier steckt der Clou vermutlich eher in der Zeremonie.

Fazit

Das Dottir Berlin ist definitiv etwas Besonderes. Alleine schon das Ambiente lohnt sich für einen Besuch. Das Menü ist geistreich und kreativ. Die Zutaten sind zwar einfach, aber von sehr hoher Qualität. Insofern sind auch die Preise in Anbetracht der zentralen Lage in Ordnung. Ob ich wiederkomme? Ja, und ich reserviere diesmal länger im Voraus – und bevor Islands Tochter der Kernsanierung weichen muss.

Internet: dóttirberlin

Schreibe einen Kommentar